Gastbeitrag: „Empirische Untersuchung: Was Bürohunde bewirken können“

Alina Staß studiert Wirtschaftspsychologie und hat für ihre Master Thesis in einer empirischen Studie untersucht, was Bürohunde am Arbeitsplatz bewirken können. In diesem Gastartikel fasst sie die Ergebnisse ihrer Untersuchung zusammen:

Was Bürohunde auf der Arbeit bewirken können – eine empirische Untersuchung

“Die Arbeit ist Stressfaktor Nummer eins in Deutschland”, so lautet es in einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016 (vgl. Entspann dich Deutschland, S. 21). Doch wie kann der arbeitsbedingte Stress bekämpft werden?

Dass sich die Arbeitswelt aktuell verändert, ist den meisten mittlerweile bekannt. So führt der demografische Wandel beispielsweise eben dazu, dass viele deutsche Mitarbeiter die Arbeit fehlender Kollegen kompensieren müssen. Diese Arbeitsüberlastung kann schnell zu Absentismus oder zu Kündigungen führen. Gerade deswegen ist es für Unternehmen heutzutage so wichtig, Stressfaktoren der Mitarbeiter im Keim zu ersticken. Aber nicht nur die Arbeitsüberlastung führt zu erhöhtem Stress auf der Arbeit, sondern auch eine mangelnde Kommunikation oder Konflikte zwischen den Kollegen.

Ein aktuell aufstrebender Trend um den Stress zu bekämpfen ist die Anwesenheit eines Hundes im Büro. Hunde bringen Freude in das Leben vieler Menschen, doch was genau können Hunde auf der Arbeit eigentlich hinsichtlich Stress bewirken? Dieser Frage habe ich mich angenommen und im Rahmen meiner Master Thesis im Fach Wirtschaftspsychologie eine empirische Studie zu diesem Thema durchgeführt.

Ich bin selber Hundebesitzer, muss aber zugeben, dass ich von Bürohunden bisher nur wenig Ahnung hatte. Klar, die Vorstellung ist schon cool – so ein Hund im Büro. Aber die alleinigen Aussagen der Unternehmen mit Bürohunden, dass Bürohunde super für das Betriebsklima sind und arbeitsbedingten Stress kanalisieren können, reichten mir nicht. Da es zu diesem Thema bis dato auch nur wenig empirische Forschung gab, war das Thema wie geschaffen für mich.

Erste Berührungspunkte mit meinem Thema – Interviews mit Bürohunden

Zuerst wollte ich mein Wissen über Bürohunde aufbauen und herausfinden, was ein Bürohund auf der Arbeit eigentlich so macht. Also ging ich auf die Suche nach Experten, die genau wissen, wie so ein Tag mit Hund im Büro aussieht. Die Experten waren recht schnell gefunden, denn wie ich im Laufe meiner gesamten Studie feststellen durfte, ist die Begeisterung für das Thema extrem groß. Meine zehn Experten erklärten sich bereit an meinem teilstandardisierten Interview teilzunehmen und mich in ihre Welt mit Bürohund zu entführen. Während des Interviews stellte ich Fragen aus folgenden Themenfeldern: Welche Voraussetzungen müssen für den Bürohund gegeben sein? Welche Auswirkungen hat der Bürohund auf das Betriebsklima? Welche Auswirkungen hat der Bürohund auf arbeitsbedingten Stress? Was mich in den Gesprächen am meisten beeindruckt hat war die sehr heterogene Rassengestaltung der Bürohunde. Vom kleinen Terrier, über Golden Retriever bis hin zur deutschen Dogge: Alle Rassen schienen tauglich für den Büroalltag zu sein. Das hätte ich vorher wirklich nicht gedacht! Auch die Anzahl der vorhandenen Hunde in den Büros war sehr unterschiedlich, so gab es manchmal nur einen Bürohund pro Büro und in manchen Büros sogar über 20 Exemplare. Jetzt könnte man meinen in den Büros ginge es wie im Tierheim zu, aber nein! – alle Hunde, die ich getroffen haben, haben sich als sehr gut erzogene und ruhige Hunde gezeigt.

Spannend war auch, dass zwei der Experten davon berichteten, dass selbst Kollegen, welche immer schon Angst vor Hunden hatten, diese Angst durch den Bürohund verlieren konnten. Und auch Skeptiker haben sich, laut der Experten, nachdem sie einige Zeit mit dem Bürohund verbrachten, zu Hundefans entwickelt. Die wirklich hartnäckigen Skeptiker scheren sich jedoch eher weniger um den Hund und nutzen die gute alte Methode des: „was ich nicht sehe, ist auch nicht da!“ Und auch auf Allergiker kann, laut der Experten, Rücksicht genommen werden, indem zum Beispiel diese Büros für den Hund tabu sind. Das zeigte mir, dass ein Bürohund auch ohne die Zustimmung aller Kollegen funktionieren kann. Diese Rücksicht sollte im Übrigen aber auch dem Bürohund entgegen gebracht werden, denn auch Hunde brauchen eine Möglichkeit sich zurückzuziehen, wenn es im Büro mal turbulent einhergeht.

Eine weitere Auffälligkeit in meinen Interviews war, dass alle Experten ausnahmslos der Meinung waren, dass eine eindeutige Reduktion des privaten Stresses der Hundebesitzer vorliegt. Denn gerade der zeitliche Druck schnell nach Hause zu kommen um mit dem Hund Gassi zu gehen, ist so nicht mehr vorhanden. Aber auch große finanzielle Vorteile sind zu verzeichnen, denn für viele Besitzer käme alternativ nur eine betreute Hundepension in Frage. Wie vorher von mir vermutet, waren auch alle Experten davon überzeugt, dass ein Bürohund durchaus das Betriebsklima verbessert und auch hinsichtlich arbeitsbedingtem Stress aushelfen kann.

Die statistische Untersuchung meiner Hypothesen

Mit Hilfe der Experteninterviews konnte ich nun insgesamt drei große Hypothesen ableiten, welche ich quantitativ untersuchte. Zum einen wollte ich herausfinden, welche Voraussetzungen ein Hund eigentlich mitbringen muss und welche Voraussetzungen das Unternehmen vornehmen sollte, damit der Hund überhaupt erst positive Auswirkungen auf Stress und auf das Betriebsklima haben kann. Als zweites dann eben, welche positiven Auswirkungen der Bürohundes auf das Betriebsklima haben kann und zuletzt natürlich die Auswirkungen des Bürohundes speziell auf den arbeitsbedingten Stress. Anhand eine Stichprobe von insgesamt 261 Personen (eine Versuchsgruppe mit Bürohund und eine Kontrollgruppe ohne) welche einen 15-minütigen Online- Fragebogen ausgefüllt haben, konnte ich die statistische Auswertung vornehmen. Das Betriebsklima wurde in dem Fragebogen in folgende Bestandteile definiert:

  1. Kommunikationshäufigkeit
  2. Beziehung unter den Kollegen
  3. Subjektives Wohlbefinden

Die Voraussetzungen für den Bürohund waren in allen Fällen: Der Bürohund sollte nicht stressanfällig oder aggressiv sein, er sollte ein möglichst ruhiges Wesen besitzen, denn ein stressanfälliger Hund führt nicht zu einer Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens eines Mitarbeiters. Witziger Weise ist es jedoch so, dass auch ein zu ruhiger Hund nicht zu einem besseren Wohlbefinden der Mitarbeiter führt. Ein gutes Mittelmaß scheint also angebracht. Eine weitere Voraussetzung für den Bürohund ist ein möglichst überwiegender Zuspruch der Belegschaft für den Bürohund oder alternativ, die Rücksichtnahme der Unternehmens auf Hunde-Gegner.

Der Bürohund – Mehr als nur ein Stimmungsbringer

Jetzt kommen wir aber endlich zu den positiven Auswirkungen, die ich statistisch belegen konnte. Ja, der Hund kann tatsächlich das Betriebsklima verbessern! Es ist nämlich so, dass ein Bürohund durch seine bloße Anwesenheit das subjektive Wohlbefinden steigert, denn der Mitarbeiter hat durch den Bürohund bessere Laune, empfindet eine Wärme auf der Arbeit und fühlt sich einfach wohler. Aber auch die Beziehung zwischen den Arbeitskollegen kann durch einen Bürohund verbessert werden. Das liegt vor allem daran, dass der Hund ein gemeinsames Gesprächsthema bildet und man so schneller mit Kollegen in Kontakt kommt. Man verbringt aber auch mehr Zeit mit Kollegen, da man eher mal „rüber kommt“ oder auch mal gemeinsam spazieren geht. Die Kommunikation wird zudem auch durch den Bürohund erhöht.

Der Bürohund als Stresskiller?

Die große Frage die natürlich nun im Raum steht: Kann der Bürohund auch Stress kanalisieren? Es ist tatsächlich so, dass ein, durch das Streicheln des Hundes ausgeschüttetes Hormon namens Oxytocin, nachweislich Stress lindert. Leider konnte ich in meiner Arbeit dieses Phänomen nicht statistisch signifikant bestätigen. Jedoch kann Stress auf eine andere Art bewältigt werden: Auf der Arbeit oder auch im Privaten werden sogenannte Stressbewältigungsstrategien angewandt, um dem Stress entgegenzuwirken. Die Strategien, welche am besten funktionieren sind, wie sollte es anders sein, die Beziehung zu Kollegen oder auch positive Gedanken. Von daher kann ich mit Gutem Gewissen sagen, dass ein Bürohund zwar, laut meiner Forschungen, keinen direkten Einfluss auf arbeitsbedingten Stress hat, die Verbesserung der Beziehung der Kollegen und das erhöhte Wohlbefinden der Kollegen jedoch dazu führt, dass mit arbeitsbedingtem Stress besser umgegangen werden kann. Der Bürohund hat somit einen indirekten Einfluss auf eben jenen Stress!

Ein weiteres Ergebnis aus den Interviews, welches ich zusätzlich nennen möchte, ist das bewusste Nehmen von Pausen, welche nicht dazu dienen weiterhin über arbeitsrelevante Themen zu grübeln, sondern Pausen, die einem wirklich frischen Wind in den Kopf pusten und die helfen können wieder konzertierter an die Sache zu gehen. Dieses Ergebnis konnte ich aus Zeitmangel nicht in meine quantitative Befragung aufnehmen. Dieses Ergebnis sollte aber in folgenden Studien mit dem Thema Bürohund weiter verfolgt werden.

Mehr Bürohunde für das Land!

Mein Fazit lautet definitiv, dass ein Bürohund einen großen Mehrwert für die Mitarbeiter bringen kann, wenn entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Man sollte aber stets beachten, dass es hier um ein Tier geht, welches Bedürfnisse hat und immer mit Respekt behandelt werden sollte. Meiner Meinung nach sollten auch Gegner nicht direkt voreingenommen sein, wenn plötzlich ein Hund vor der Bürotür steht. Der Hund ist ja nicht umsonst der beste Freund des Menschen!